DLZ - KOMMENTAR: Kabinettsbeschluss zur Kreisreform:Dithmarschen abgestraft - Dienstag 18.Dezember.2007
DLZ - KOMMENTAR: Kabinettsbeschluss zur Kreisreform:Dithmarschen abgestraft
Von Gerhard Wagner
Jetzt geht es bei der Festlegung der Kreisreform also um Einwohnerzahlen und Gebietsgrößen. Kreise, die zusammengelegt werden sollen, müssen dies ab einer gemeinsamen Gesamtfläche von 2500 Quadratkilometern nicht mehr. Nordfriesland hat 2000 Quadratkilometer, Schleswig-Flensburg ebenfalls. Damit entfällt für Husum jeder Zwang zur Fusion.
Ministerpräsident Peter Harry Carstensen ließ auch verlauten, dass die Fläche Nordfrieslands bei Ebbe ohnehin über 2500 Quadratkilometern liegt. Dithmarschen hat 1400 Quadratkilometer, Steinburg 1056. Leider unter 2500. Was lernen wir daraus? Dass das Dithmarscher Watt schleunigst vermessen werden muss? Nein, wir werden in Schleswig-Holstein von einem Polit-Clown regiert.
Das Gezerre um die Kreisgebietsreform ist an Niederträchtigkeit nicht mehr zu überbieten. Nachdem es für Dithmarschen seit dem CDU-Landesparteitag eine tragfähige Kompromisslösung gab, soll die Kreisbevölkerung jetzt für ihre Unbotmäßigkeit bestraft werden. Die Prämissen wurden so verändert, dass Dithmarschen keine Chance auf Eigenständigkeit bleibt. Weder Einwohnerzahl, noch Fläche, noch Einsparpotenzial sichern den Bestand dieses historisch einzigartigen Gebietes.
Peter Harry Carstensen hat sich plötzlich an seinen Bundestagswahlkreis Nordfriesland erinnert. Die hiesige CDU, die in Norderdithmarschen für seine Wahlerfolge zuständig war, sieht sich nicht erst seit der letzten Kehrtwende des Ministerpräsidenten getäuscht. Schwerwiegender als diese für die Parteigänger der CDU bittere Tatsache ist jedoch die Bestätigung des Vorurteils gegenüber der Politik als ein zutiefst schmutziges Geschäft.