
von Volker Mehmel
„Ich habe den Landrat gebeten, doch vorher die Dinge einmal richtig nachzulesen, bevor er solche Artikel schreibt“, sagte Ministerpräsident Peter Harry Carstensen nach einem Zusammentreffen mit dem Verwaltungschef aus dem Kreishaus. Die beiden waren im Kindergarten IzzKizz aufeinandergetroffen. Grummelnd versorgte der Kieler Regierungschef dort seinen Steinburger Widerpart zwar noch mit einem Stück Marzipantorte. Bei einer Diskussion um die Expansionspläne der Kindertagesstätte wurden die Fronten aber schnell deutlich. Rocke versprach den Eltern Hilfe, „wenn sie Gefechte mit dem Land haben“. Carstensen konterte prompt: „Wenn Sie Gefechte mit dem Land führen, suchen Sie sich vernünftige Partner.“
Auf dem Kreisparteitag am Abend in Glückstadt legte der Ministerpräsident beim Thema Verwaltungsstrukturreform noch einmal nach: „Ich erwarte, dass jetzt nicht mehr herumlamentiert wird. Einsparungen durch Kooperationen sind das, was wir jetzt brauchen. Dann sind wir von einer Fusion weit entfernt.“ Carstensen fügte ausdrücklich an die Adresse des Kreises Steinburg gerichtet hinzu: „Das ist die Politik, die wir jetzt brauchen.“
Überhaupt war der Vorstoß von Landrat Rocke in den Reihen der Mehrheitsfraktion eher mit Kopfschütteln registriert worden. Fraktionschef Reinhold Wenzlaff sieht ohnehin keinerlei Grund zur Schwarzmalerei. „Eine Zwangsfusion mit Dithmarschen geht gar nicht“, eröffnete er dem Parteitag eine bemerkenswerte These. Wegen der demographischen Entwicklung gingen in beiden Kreisen nämlich die Geburtenzahlen stark zurück, während die Zahl der älteren Menschen deutlich steige. Das wiederum habe erhebliche finanzielle Auswirkungen. „Und aus eineinhalb Kranken einen Gesunden machen, geht gar nicht.“
Scharfe Kritik übte Wenzlaff an Landrat Rocke: „Ich will Fakten sehen, und ich will sehen, wie die Verwaltung modernisiert wird. Es gibt klare Vorgaben, und es liegt an uns, wie wir sie realisieren.“ Leicht angesäuert fügte der Christdemokrat hinzu: „Das Gerede davon, wie alt der Kreis ist, bringt uns nicht weiter. Auch die Diskussionen, die die Dithmarscher immer wieder anzetteln, sind so überflüssig wie ein Kropf.“ In Anlehnung an eine legendäre Schlacht meinte Wenzlaff noch schmunzelnd: „Die Dithmarscher sind ganz normale Menschen – wenn sie nicht immer über Hemmingstedt reden würden.“
Damit war für Wenzlaff das Thema Dithmarschen und Zwangsfusion erledigt – auch, weil er ohnehin lieber nach Osten als nach Westen blickt. „Hamburg ist unsere geborene Richtung“, sagte er, wo er die Steinburger Zukunft sieht. Um das noch zu unterstreichen, steht es auch im CDU-Programm für die Kommunalwahl am 25. Mai: „Keine Zwangsfusion mit Dithmarschen!“
Für den Fall, dass nach der Landtagswahl in Kiel gelbschwarz regiert, ist nach Einschätzung von Wenzlaff das Thema gänzlich vom Tisch. Falls aber SPD und Grüne ans Ruder gelangen, komme die Fusion sofort. Dann gebe es aus Steinburger Sicht für einen Klageweg aber gute Argumente.